7 häufige Fehler im Gebet, die du ganz einfach vermeiden kannst
Das Gebet (Salah) ist unsere tägliche Verabredung mit Allah ﷻ. Weil wir es jeden Tag mehrmals verrichten, schleicht sich oft die Routine ein. Und wo Routine ist, passieren kleine Fehler. Manchmal machen wir Dinge jahrelang falsch, einfach weil uns nie jemand darauf hingewiesen hat.
Das Ziel dieses Beitrags ist es nicht, dir Angst zu machen oder dir das Gefühl zu geben, deine Gebete seien ungültig. Im Gegenteil: Das Wissen über diese Fehler ist ein Geschenk. Es gibt dir die Möglichkeit, dein Gebet zu perfektionieren und noch mehr innere Ruhe (Khushu) zu finden.
Lass uns 7 sehr häufige Fehler ansehen und wie du sie ab heute ganz einfach korrigieren kannst.
1. Der Diebstahl im Gebet (Fehlende Ruhe / Tuma'ninah)
Das ist vielleicht der häufigste Fehler in unserer stressigen Zeit. Wir beten so schnell, dass wir in der Verbeugung (Ruku) oder Niederwerfung (Sujud) wie ein Specht auf und ab wippen. Die körperliche Ruhe (Tuma'ninah) ist jedoch eine feste Säule (Rukn) des Gebets nach allen Rechtsschulen. Der Prophet Muhammad ﷺ warnte davor mit sehr deutlichen Worten:
أَسْوَأُ النَّاسِ سَرِقَةً الَّذِي يَسْرِقُ مِنْ صَلاَتِهِ
der schlimmste Dieb unter den Menschen ist derjenige, der von seinem Gebet stiehlt. (Muwatta Malik, 419 – Auszug)
Die Lösung: Zwinge dich zur Entschleunigung. Wenn du in den Ruku oder Sujud gehst, verweile dort so lange, bis jeder Knochen an seinem Platz zur Ruhe gekommen ist. Erst dann sprichst du dein Bittgebet (Subhana Rabbiyal...).
2. Stummes Lesen (Die Fatiha nur im Kopf aufsagen)
Viele Menschen lesen die Surah Al-Fatiha und andere Suren im Gebet komplett stumm, also nur in Gedanken, ohne die Lippen zu bewegen.
Nach der Einigkeit der vier Rechtsschulen ist das reine „Denken“ der Worte jedoch keine gültige Rezitation (Qira'ah).
Die Lösung: Du musst deine Zunge und deine Lippen bewegen. Bei den leisen Gebeten (Dhuhr und 'Asr) solltest du so flüstern, dass du dich selbst gerade noch hören kannst (ohne die Person neben dir zu stören).
3. Der unvollständige Sujud (Die 7 Knochen)
Der Sujud ist der Moment, in dem du Allah ﷻ am nächsten bist. Oft sieht man jedoch, dass Betende im Sujud ihre Füße vom Boden anheben und in der Luft kreuzen, oder dass nur die Stirn, aber nicht die Nase den Boden berührt. Der Prophet ﷺ sagte:
أُمِرْتُ أَنْ أَسْجُدَ عَلَى سَبْعَةِ أَعْظُمٍ عَلَى الْجَبْهَةِ وَأَشَارَ بِيَدِهِ عَلَى أَنْفِهِ وَالْيَدَيْنِ وَالرُّكْبَتَيْنِ وَأَطْرَافِ الْقَدَمَيْنِ
mir wurde befohlen, mich auf sieben Knochen niederzuwerfen. Auf die Stirn, und er deutete mit seiner Hand auf seine Nase, die beiden Hände, die beiden Knie und die Spitzen der beiden Füße. (Sahih al-Bukhari, 812)
Die Lösung: Achte beim nächsten Sujud bewusst darauf, dass deine Nase fest den Boden berührt und die Zehen beider Füße auf dem Boden aufgestellt bleiben.
4. Der wandernde Blick
Wenn wir beten, wandern unsere Augen oft durch das Zimmer. Wir schauen auf das Muster der Tapete, aus dem Fenster oder sogar nach oben zur Decke. Das lenkt nicht nur extrem ab, sondern der Prophet ﷺ hat das Schauen nach oben im Gebet strengstens untersagt. Ein wandernder Blick ist laut einem Hadith das, was der Shaytan vom Gebet wegschnappt.
Die Lösung: Richte deinen Blick während des gesamten Stehens starr auf die Stelle, an der gleich deine Stirn den Boden berühren wird (die Stelle des Sujud).
5. Der krumme Rücken im Ruku (Verbeugung)
Manche beugen sich nur ganz leicht nach vorne, andere machen einen extremen Buckel. Beides entspricht nicht der Sunnah.
Die Lösung: Im Ruku sollte dein Rücken so gerade sein, dass man theoretisch ein Glas Wasser darauf abstellen könnte, ohne dass es umfällt. Deine Hände umgreifen fest deine Knie, und dein Kopf bildet eine gerade Linie mit deinem Rücken (nicht in den Nacken legen und nicht auf die Brust drücken).
6. Kleidung, die beim Sujud verrutscht ('Awrah-Gefahr)
Dieser Fehler passiert oft unbewusst. Männer tragen manchmal T-Shirts, die beim Sujud hinten hochrutschen und den unteren Rücken (der zur 'Awrah gehört) entblößen. Bei Frauen kann es passieren, dass das Kopftuch beim Vorbeugen so weit nach vorne fällt, dass der Hals sichtbar wird, oder die Ärmel rutschen zurück.
Die Lösung: Überprüfe deine Kleidung vor dem „Allahu Akbar“. Zieh das T-Shirt etwas nach unten oder trage ein längeres Oberteil. Frauen sollten darauf achten, dass das Kopftuch fest sitzt und die Ärmel blickdicht abschließen.
7. Beten im Chaos (Fehlende Abgrenzung)
Viele beten einfach mitten im Raum, während der Fernseher läuft, Kinder herumlaufen oder Unordnung herrscht. Das Gehirn kann in so einer Umgebung unmöglich abschalten und Khushu finden.
Die Lösung: Erschaffe dir eine klare, physische Grenze. Die Sunnah empfiehlt eine Sutrah (einen Gegenstand, den man vor sich stellt, damit niemand durch das Gebet läuft).
Hier ist ein eigener Gebetsteppich dein stärkstes Werkzeug. Er löst gleich mehrere Probleme auf einmal:
Erstens grenzt er deinen Gebetsbereich optisch vom restlichen Chaos des Zimmers ab. Zweitens hilft er dir massiv gegen Fehler Nummer 4 (den wandernden Blick). Wenn du einen schönen Gebetsteppich hast, bietet dir das Muster in der Mitte den perfekten visuellen Ankerpunkt für deine Augen.
Dein Gehirn lernt: Sobald ich auf diesem Teppich stehe, bleiben meine Augen auf diesem Stoff und meine Gedanken bei Allah ﷻ. Es ist eine kleine Veränderung in deiner Umgebung, die eine gewaltige Auswirkung auf die Qualität deines Gebets hat.
Nimm dir für dein nächstes Gebet einfach einen dieser 7 Punkte vor und versuche, ihn bewusst umzusetzen. Schritt für Schritt wird dein Gebet so zu dem Meisterwerk, das es sein soll.
Und Allah ﷻ weiß es am besten.